Tennisarm (Tennisellenbogen): Was wirklich hilft – Tipps aus der Physiotherapie
Der Kaffeebecher am Morgen, der Händedruck zur Begrüssung, die Computermaus im Büro oder die Gartenschere am Wochenende: Plötzlich zieht es aussen am Ellbogen, und der Schmerz strahlt bis in den Unterarm. Viele denken dann sofort an einen «Tennisarm» und wundern sich, weil sie noch nie einen Tennisschläger in der Hand hatten. Die gute Nachricht vorweg: Ein Tennisellenbogen ist zwar lästig und kann hartnäckig sein, aber er ist gut erforscht und in den meisten Fällen bessern sich die Beschwerden wieder. In diesem Beitrag erklären wir dir gemeinsam mit unserer Physiotherapeutin Corina Matti von Physioline Binz, was hinter dem Tennisarm steckt, was die Forschung über die verschiedenen Behandlungen sagt und vor allem, was du selbst tun kannst.
Was ist ein Tennisellenbogen eigentlich?
Aussen am Ellbogen liegt ein kleiner Knochenvorsprung, der sogenannte Epicondylus lateralis. Dort setzen die Sehnen jener Unterarmmuskeln an, die dein Handgelenk und deine Finger strecken. Diese Muskeln arbeiten bei fast jeder Greifbewegung wie beispielsweise beim Tragen einer Einkaufstasche oder beim Tippen auf der Tastatur mit.
Wird diese Sehnenregion über längere Zeit stärker belastet, als sie verkraften kann, reagiert sie mit Schmerzen. Mediziner sprechen von einer «lateralen Epicondylitis» oder heute häufiger von einer «lateralen Ellbogen-Tendinopathie». Tendinopathie bedeutet einfach erklärt: eine schmerzhafte Veränderung der Sehne durch Überlastung. Der neuere Begriff setzt sich durch, weil meist weniger eine klassische Entzündung als vielmehr eine gestörte Belastbarkeit des Sehnengewebes im Vordergrund steht.
Der Tennisellenbogen ist weit verbreitet: Etwa 1 bis 3 Prozent der Erwachsenen sind betroffen, am häufigsten zwischen 40 und 60 Jahren. Tennisspielerinnen und Tennisspieler machen dabei nur einen kleinen Teil aus. Viel häufiger stecken wiederholte Bewegungen im Beruf, im Haushalt, beim Handwerken oder im Garten dahinter.
Typische Beschwerden – und wann du ärztlich abklären lassen solltest
Typisch für einen Tennisarm sind:
- Schmerzen aussen am Ellbogen, die in den Unterarm ausstrahlen können
- Beschwerden beim Greifen, Heben oder Drehen, etwa beim Anheben einer Tasse, beim Öffnen eines Glases oder beim Händeschütteln
- eine verminderte Griffkraft, manchmal auch Druckempfindlichkeit direkt am Knochenvorsprung
- häufig eine Morgensteifigkeit oder Schmerzen nach längerer Belastung
Bitte lass deine Beschwerden ärztlich abklären, wenn der Schmerz nach einem Sturz oder Unfall aufgetreten ist, wenn der Ellbogen stark geschwollen, gerötet oder überwärmt ist, wenn du Fieber hast, wenn Kribbeln oder Taubheit in Hand oder Fingern auftreten oder wenn die Schmerzen vom Nacken her ausstrahlen. Ähnliche Beschwerden können nämlich auch andere Ursachen haben, etwa ein gereizter Nerv oder Probleme an der Halswirbelsäule. Eine ärztliche Untersuchung schafft hier Sicherheit. Mit einer ärztlichen Verordnung wird die Physiotherapie zudem über die Grundversicherung abgerechnet.
Was hilft beim Tennisellenbogen wirklich?
Rund um den Tennisarm gibt es viele gut gemeinte Ratschläge. Zum Glück ist das Thema gut erforscht und die wichtigsten Erkenntnisse lassen sich einfach zusammenfassen.
- Dein Körper kann viel selbst, mit gezielter Begleitung oft noch besser. Dank der Selbstheilung des Körpers kann sich ein Tennisellenbogen bei einigen Menschen im Laufe der Zeit bessern. Das kann allerdings mehrere Monate dauern und im Alltag sehr belastend sein. Mit einer gezielten physiotherapeutischen Begleitung kannst du den Heilungsprozess optimal unterstützen, die Belastbarkeit von Sehne und Arm schrittweise verbessern und lernen, wie du mit den Beschwerden im Alltag umgehen kannst. Auch wer schon länger Beschwerden hat, soll den Mut nicht verlieren: Eine lange Dauer bedeutet nicht, dass es nicht mehr besser wird, mit der richtigen Begleitung wird diese Zeit oft deutlich leichter.
- Die Kortisonspritze wirkt schnell aber oft nicht lange. Viele spüren nach einer Spritze eine Erleichterung. Auf längere Sicht kommen die Beschwerden bei diesen Patientinnen und Patienten aber häufiger zurück, da die Spritze nicht die eigentliche Ursache der Sehnenbeschwerden behandelt. Zudem kann Kortison die Sehnenstruktur schwächen, insbesondere bei wiederholten Injektionen. Wer mit Physiotherapie oder einfach mit Geduld durch diese Zeit geht, ist nach einem Jahr meist besser dran.
- Aktiv werden lohnt sich. Gezielte Übungen für Unterarm, Schulter und Schulterblatt gelten heute als wichtigster Baustein der Behandlung. Sie helfen der Sehne, Schritt für Schritt wieder mehr auszuhalten. Behandlungen, bei denen du nur liegst und behandelt wirst, sind allein meist weniger nachhaltig, als Ergänzung zum Training können sie aber gut tun.
Kurz gesagt: Es gibt keine Wundermethode. Am meisten bringt eine gut dosierte, langsam gesteigerte Belastung zusammen mit etwas Geduld und dem Wissen, was deinem Arm gerade guttut.
So begleiten wir dich bei Physioline
Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch und eine Untersuchung. Wir wollen verstehen, welche Bewegungen dir Mühe machen und was in deinem Alltag den Ellbogen belastet: deine Arbeit am Computer, das Handwerken, dein Sport oder die Pflege eines Angehörigen. Daraus entsteht ein Plan, der zu dir passt.
Im Zentrum steht ein Übungsprogramm, das die Unterarmmuskulatur und die Sehne Schritt für Schritt wieder belastbarer macht. Weil der Ellbogen nie allein arbeitet, beziehen wir auch Schulter, Schulterblatt und Handgelenk mit ein. Ergänzend können manuelle Techniken, Triggerpunkttherapie oder Dry Needling helfen, verspannte Muskeln zu lockern und Schmerzen zu lindern, je nachdem, was für dich passt. Auf unserer Trainingsfläche kannst du die Übungen unter Anleitung im Rahmen der Medizinischen Trainingstherapie (MTT) weiterführen, also einem gezielten Training an Geräten, begleitet von unseren Therapeutinnen und Therapeuten.
Corina Matti: «Viele meiner Patientinnen und Patienten schonen den Arm zuerst komplett, weil sie Angst haben, etwas kaputtzumachen. Dabei braucht eine Sehne die richtige Dosis Belastung, um wieder kräftiger zu werden. Mein Ziel ist es, gemeinsam herauszufinden, wie viel dein Ellbogen gerade verträgt und das dann Woche für Woche ein wenig zu steigern.»
Was du selbst tun kannst
Du hast mehr Einfluss auf den Verlauf, als du vielleicht denkst. Diese Tipps haben sich bei vielen unserer Patientinnen und Patienten bewährt:
- Belastung anpassen statt ganz schonen. Komplette Ruhe ist für eine Sehne meist nicht ideal. Reduziere vorübergehend, was deutlich schmerzt, aber bleib in Bewegung. Viele Physiotherapeutinnen arbeiten mit einer einfachen Faustregel: Ein leichter Schmerz während einer Übung ist in Ordnung, solange er danach rasch abklingt und am nächsten Morgen nicht stärker ist.
- Den Alltag geschickt organisieren. Trage Taschen nah am Körper oder mit beiden Händen, hebe Gegenstände mit der Handfläche nach oben statt nach unten und nimm die Kaffeetasse auch einmal mit beiden Händen. Dickere Griffe an Werkzeug oder Gartengeräten entlasten die Unterarmmuskeln. Am Computerarbeitsplatz lohnt es sich, die Position von Maus und Tastatur zu prüfen und regelmässig kurze Pausen einzulegen.
- Regelmässig und dosiert üben. Kräftigungsübungen für Handgelenk und Unterarm sind ein wichtiger Baustein. Häufig beginnen wir mit einfachen Halteübungen, bei denen du die Muskeln anspannst, ohne das Gelenk zu bewegen. Später folgen Übungen mit Gewicht, bei denen du dynamische Bewegungen ausführst. Welche Übungen und wie viele Wiederholungen für dich passen, klären wir am besten gemeinsam, so vermeidest du Über- oder Unterforderung.
- Schulter und Nacken nicht vergessen. Eine kräftige Schulter und ein stabiles Schulterblatt entlasten den Ellbogen. Auch Verspannungen im Nacken solltest du ernst nehmen und in der Therapie ansprechen.
- Geduld haben. Sehnen passen sich langsamer an als Muskeln. Rechne eher mit Wochen bis Monaten als mit Tagen. Kleine Fortschritte, etwa eine schmerzfreie Kaffeetasse oder ein kräftigerer Händedruck, sind wertvolle Zeichen, dass du auf dem richtigen Weg bist.
- Hilfsmittel mit Bedacht einsetzen. Manche Menschen empfinden eine Ellbogenspange oder ein Tape als angenehm, vor allem bei belastenden Tätigkeiten. Solche Hilfsmittel können eine Ergänzung sein, ersetzen aber das aktive Training nicht.
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Geschrieben mit fachlicher Begleitung von Corina Matti, Physiotherapeutin, Physioline Binz. Corina Matti (BSc ZFH Physiotherapie) ist spezialisiert auf Orthopädie, Traumatologie, Medizinische Trainingstherapie und funktionelles Training.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Abklärung.
Quellen
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